Was wurde durch die „Corona-Krise“ verstärkt? Was wurde seitdem lauter, was vorher kaum wahrnehmbar war? Für welche Sehnsüchte, welche Bedürfnisse, welche Utopien sind die Erfahrungen der Pandemie ein Verstärker? Diese und mehr Fragen haben wir Müttern und Vätern, Pädagog*innen, Pflegekräften, Haushaltshilfen und anderen Menschen gestellt, die in Wien nicht bezahlte/unterbezahlte Fürsorgearbeit leisten. Ein mit Megafonen „bewaffneter“ Frauenchor singt und spricht eine Collage der Interview-Antworten. In einem Hybrid aus Performance, Konzert und Choreographie entsteht eine ungewohnte und neue Form politischer Rede, welche die Megafone als mobile Stimmverstärker und Musikinstrumente in ihren klanglichen, rhythmischen und skulpturalen Potenzialen auslotet.
Geschenk Also was für ein Geschenk das eigentlich ist/ Dass man für jemanden sorgt/ Der ähm in Abhängigkeit ist/ Also nicht dass ich das schön finden würde aber/ Also man hat da eine sehr besondere Position/ Oder Ehre/ Geschenk Ehre trifft´s alles nicht aber/ Also ich kann´s eben höchstens umschreiben/ So´n Gefühl der der Fürsorge Es ist völlig traurig eigentlich/ Dass eben Pflege so weit weg ist von uns/ Die meisten Leute brauchen/ Ja nicht ihr Leben lang Pflege/ Also Du brauchst vor allem/ In deinen ersten Lebensjahren Care/ Und in deinen letzten Lebensjahren Das sind ja eigentlich kurze Abschnitte/ Wo jemand das braucht/ Und da frag ich mich schon/ Warum wir das nicht stärker so selber übernehmen können/ Also ich muss ja nicht zwingend meine eigene Mutter betreuen/ Ich kann ja jemand anderen also/ Aber da wäre die Frage/ Wie würde man das organisieren
»Und plötzlich war da Kunst… Die Sirenen aus der Mythologie betören durch ihren Gesang, locken Männer an und töten sie. In der Performance der Künstlerin Sylvi Kretzschmar haben die modernen „Sirenen“ eine ganz andere Mission: das Wort der „einfachen Leute“ zu verbreiten. Auf öffentlichen Plätzen in der Stadt Wien tauchen sie in weißem Gewand auf und sprechen in ihre Megafone Texte, die wortwörtlich Interviews mit Menschen entnommen sind, die, meist unbezahlt, Care-Arbeit leisten.“ – FALTER (30.06.2021)
„Das Megafon, das häufig als Agitationsmittel dient, verleiht unsichtbarer Care-Work eine laute Stimme. Die Funktionen des Stimmverstärkers, zum Beispiel Echo- oder Loop-Effekte, spielen dabei eine besondere Rolle.“ – Scheyerer, Nicole DERSTANDARD (21.06. 2021)
Credits:
Konzept/Regie: Sylvi Kretzschmar
Performance/Komposition/Entwicklung/Recherche: Lene Benz, Irene Coticchio, Caroline Koczan, Rahel Kraft, Sylvi Kretzschmar, Patrizia Ruthensteiner
Kostüme: Patrizia Ruthensteiner
Produktion: Oympionik*innen Productions
Choreografische Impulse: Camilla Milena Fehér
Fotos: Sarah Glück, SaLeh roZati
Video: Anna Hirschmann, Marie-Christin Rissinger, Gustavo Petek
Gefördert durch KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien, in Kooperation mit dem BMKOES, der Stadt Wien Kultur sowie den Kulturkomissionen der Bezirke Wieden, Brigittenau und Donaustadt






