Sylvi Kretzschmar betreibt Unbehagenforschung. Sie folgt der eigenen inneren Abwehr gegen bestimmte politische Gesten und Klänge. Ihre künstlerisch-wissenschaftliche Dissertation untersucht Wirkungsweisen soundtechnisch verstärkter Stimmen und setzt sich mit PA (Public Address) – Medien der Stimmverstärkung (Z.B. Mikrofone, Verstärker, Lautsprecher aber auch Sprechchöre) im Kontext politischer Versammlungen auseinander.
Der ausschließlich mit Frauen* besetzte Megafonchor bringt eine ungewöhnliche und eindringliche Form Politischer Rede hervor, die bewusst nicht eloquent ist: Alltagssprache, die stottert, zögert und sich verspricht. In Partizipativer Künstlerischer Forschung mit Aktivist*innen, Künstler*innen sowie Bewohner*innen und Nachbar*innen der sogenannten „Esso-Häuser“ im Hamburger Stadtteil S. Pauli hat Sylvi Kretzschmar den Megafonchor für den spezifischen Kontext der Recht auf Stadt Bewegung entwickelt und performativ erprobt: 15 Frauen* mit Megafonen verstärken Statements aus Interviews mit Nachbar*innen, Nutzer*innen und Mieter*innen der inzwischen abgerissenen Häuser. In wörtlicher Wiedergabe sprechen sie anstelle der Interviewten. Der Megafonchor kommt als Medium stellvertretender Stimmverstärkung bis heute im Kontext urbaner Proteste zum Einsatz.
In PUBLIC ADDRESS SYSTEME – Techniken der Stimmverstärkung als Choreographien politischer Versammlungen führt Sylvi Kretzschmar Erkenntnisse aus der Künstlerischen Forschung mit medienhistorischer Analyse zu einer Reflexion der Politiken verstärkter Stimmen zusammen.
Siehe auch: ESSO HÄUSER ECHO – Ein Nachruf
Credits:
Die Arbeit entstand im künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkolleg »Versammlung und Teilhabe. Urbane Öffentlichkeiten und Performative Künste« (Hafencity Universität, Forschungstheater/ FUNDUSTHEATER/ K3-Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg).
Bilder: Utopie TV
Video: rasande tyskar







