Zehn Jahre nach seinem letzten Auftritt kehrt der Megafonchor an den Spielbudenplatz an der Hamburger Reeperbahn zurück. Hier sollte eigentlich ein von Nachbar*innen geplantes Wohn- und Geschäftsviertel entstehen. Stattdessen klafft eine Lücke, drum herum ein Zaun. Zeit für ein klangliches Ausloten: Wie klingt die akustische Architektur einer in der Luft hängenden Planung? Welche Zukunft findet hier nicht statt?
Elf Frauen mit Megafonen werden zu mobilen Samplern, die die Geräusche der Umgebung aufnehmen und wiedergeben: Zwischen Spoken Word, Klangexperiment und politischer Rede werden Statements aus Interviews mit Nachbar*innen und ehemaligen Bewohner*innen vertont. Diese waren an einer „Wunschproduktion“ der planbude beteiligt– einer international gefeierten Form der Stadtplanung mit dem Wissen der Vielen.
Das ist ja noch nicht mal ein Zaun Das ist ja wirklich ´ne schwarze Wand Die sehr Ja sehr viel macht so mit Wenn man so davorsteht Man liest den Ort ganz falsch Wenn man den nicht kennt Also man versteht den ganz falsch Von hier aus
„Für den Megafonchor sammelt Kretzschmar hingegen Alltagssprache. ,.., mit all ihren Dehnworten, Gedanken- und Atempausen, Stolperern, drastischen Formulierungen und treffenden Wortbildern entsteht ein Libretto, das dann, im Kollektiv gesprochen, das verdrängte Wissen des Alltags verstärkt und mit Wucht und Würde zu Gehör bringt. Songs, die an die Undergroundhits der schwarzen New Yorker Disco Punk Band ESG erinnern. Auf das rhythmische Skelett abgemagerte Teppiche aus elektronischen und vor Ort mechanisch produzierten Patterns, Bauarbeit als Sisyphusarbeit, demonstrativ sinnloses Tun, das sich aus dem Scharren und Knarzen zu tribaler Rhythmik aufbaut, angefeuert von kampflustigen shouts.“ – Christoph Schäfer, DÉRIVE /ZEITSCHRIFT FÜR STADTFORSCHUNG
Credits:
Konzept/Regie/Komposition: Sylvi Kretzschmar
Komposition/Entwicklung/Grafik: Rahel Kraft
Performance und Entwicklung: Andrea Hantscher, Heike Nöth, Sibylle Peters, Liz Rech, Annika Scharm, Frida Stein, Rahel Kraft, Sylvi Kretzschmar, Ann-Kathrin Quednau, Alyssa Marie Warncke, Anne Brüchert
Kostüme: Amo Jermies
Künstlerische Assistenz/ Produktion: Kerstin Oppermann
Dramaturgische Beratung: Sibylle Peters
Sound Technik: Peta Devlin
Licht: Lars Rubarth
Gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg: Programm Kunst im Öffentlichen Raum.
Mit Dank an Paulina Gilsbach und Jan Wagner vom Projekt „Essos Echos - Zurückführen fragmenthafter Erinnerungen auf einen scheinbar leeren Raum“ am Institut für Urban Design/ Hafen City Universität Hamburg.
Fotos: Heike Schluckebier, rasande tyskar, Hinrich Schulz
Video: Margit Czenki












